#09 Galaxien in 3D – Forschen in Lichtgeschwindigkeit
Shownotes
Was haben bunte Lichtfingerabdrücke, rotierende Galaxien und riesige Spektrografen gemeinsam? In dieser Folge von BRANDWISSEN nimmt euch Astrophysikerin Dr. Tanya Urrutia vom Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) mit auf eine Reise durch den Kosmos – von ihrer Kindheit in Guatemala über die Faszination für den Orion bis hin zu ihrer Forschung an Galaxien, Quasaren und schwarzen Löchern.
Moderator Ole (13) stellt viele neugierige Fragen: Wie entstehen Galaxien? Wie beeinflussen schwarze Löcher ihre Muttergalaxie? Und wie verändert sich unser Blick auf das All durch 3D-Spektroskopie?
Als Mitbringsel hat Dr. Urrutia ein Modell des Röntgenteleskops eROSITA dabei, das im Röntgenbereich den gesamten Himmel kartierte – bis es wegen des Ukraine-Kriegs abgeschaltet wurde.
🔍 Was ihr in dieser Folge erfahrt: • Was 3D-Spektroskopie ist – und wie man damit Galaxien „scannen“ kann • Warum Quasare wie „kosmische Kraftwerke“ funktionieren • Wie Tanya Urrutia mit Datenbergen und Röntgenteleskopen arbeitet • Warum das schwarze Loch unserer Milchstraße relativ „klein“ ist – und das für uns vielleicht lebenswichtig war • Wie eine Kindheit in Guatemala den Blick auf die Sterne prägt
Moderation: Ole
🔗 Weiterführende Links: • 🎥 Video über Tanya Urrutias Werdegang: https://www.youtube.com/watch?v=AzoXDj5esYM
• 🎥 Interview über ihre Forschung bei „Urknall, Weltall und das Leben“: https://www.youtube.com/watch?v=aVFotvRtWMw
• 🌐 Profillink am AIP mit Veröffentlichungen & Projekten: https://www.aip.de/de/members/tanya-urrutia/
Transkript anzeigen
00:00:07: Brandwissen – junge Fragen an kluge Köpfe.
00:00:10: Der Podcast, der die Neugier entfacht.
00:00:12: Von ProWissen-Potsdam mit Forschenden aus Brandenburg.
00:00:16: Neugierig direkt und mittendrin.
00:00:23: Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Folge von Brandwissen.
00:00:26: Ich bin Ole und heute beschäftigen wir uns mit den Tiefen des Universums.
00:00:30: Unser heutiger Gast ist Dr.
00:00:32: Tanja Orodja.
00:00:33: Hallo.
00:00:34: Hi.
00:00:35: Ihr Hauptthema ist ja drei-D-Spektroskopie.
00:00:38: Was genau ist das eigentlich?
00:00:40: Also, fangen wir mal mit Spektroskopie an.
00:00:44: Man kann sich wirklich das Aufwächern des Lichtes darunter vorstellen.
00:00:48: Wenn man einen Prisma nimmt oder so, dann sieht man ja die Regenbogenfarben im Grunde genommen der Sonne.
00:00:54: Und wenn man das wirklich untersucht und sich versucht, den Flussverlauf über diese Wellenlänge zu beobachten, das ist Spektroskopie.
00:01:05: Und wir haben halt herausgefunden, also Frauenhofer hat damals herausgefunden, dass bestimmte Elemente eine richtige spektralen Fingerabdruck da lassen.
00:01:16: Also jede Galaxie, jeder Stern hat eine bestimmte Form.
00:01:20: Und über diese Form können wir so viel herausfinden.
00:01:25: Mein Hauptgebiet ist Extragalaktik.
00:01:27: Also ich studiere Galaxien außerhalb unserer Milchstraße.
00:01:32: Die haben dann bestimmte Emissionslinien.
00:01:35: Dann kann ich sagen, diese Galaxie hat besonders ... Metallreiches Gas, also wo sehr viel Sternentwicklung schon passiert ist.
00:01:44: Oder diese Galaxie bewegt sich unheimlich schnell von uns weg, also muss sie sehr weit entfernt sein.
00:01:51: Oder ich kann halt auch sagen, diese eine Seite der Galaxie bewegt sich auf uns zu relativ und die andere Seite bewegt sich von uns weg.
00:01:59: Also kann ich dadurch herausfinden, dass die Galaxie rotiert, also sich wirklich um ihre eigene Achse dreht.
00:02:06: Und in den Grunde genommen ist diese Spektroskopie für uns physikalisch sehr, sehr wichtig, weil sie uns wirklich nicht nur schöne Bilder liefert, sondern wirklich auch physikalische Informationen, die man danach benutzen kann.
00:02:21: Drei-D Spektroskopie ist nun, dass wir halt, man kann sich das wirklich vorstellen, wie ein Bild hat eine dritte Dimension.
00:02:30: Also diese wirklich schönen Hobbel-Bilder oder James-White-Bilder, die wir vom Weltall kriegen, die sind halt in zwei-D.
00:02:36: Man hat halt eine räumliche, eine... Und jetzt muss man sich die dritte Achse vorstellen, ist die Spektralachse, also über die Wellenlänge.
00:02:46: Und da haben wir für jeden Pixel in diesem Bild, haben wir eine dritte Dimension, die spektrale Dimension.
00:02:54: Und das leistet uns unheimlich viel Information.
00:02:57: Wir arbeiten nicht mit Bildern, wir arbeiten nicht mit Spektren.
00:03:00: Wir haben Leute mit Datenkuben.
00:03:03: Und diese drei D-Effekt ... Ich möchte von diesem Stern einen Spektrum haben.
00:03:11: Oder ich kann zur gleichen Zeit auch sagen, wie sieht diese Galaxie denn in diesem Element?
00:03:16: Also H-Alpha, das ist ein Wasserstoff, eine Art Übergang von einem Wasserstoff an.
00:03:22: Wie sieht diese Galaxie in H-Alpha aus?
00:03:24: Da kann ich z.B.
00:03:25: Sternenstehungsgebiete sofort erkennen.
00:03:28: Oder wie sieht das Verhältnis von Wasserstoff zu Sauerstoff aus?
00:03:33: Dann kann ich sehen, diese ... Diese Ionasiationsstruktur ist besonders durch Winde gegeben und diese ist besonders einfach nur durch heiße Sterne gegeben.
00:03:41: Also, sie gibt uns sehr, sehr viel Information und dadurch kann man halt sehr viel auch wissenschaftliche Deduktion halt
00:03:49: machen.
00:03:50: Okay, noch eine Frage.
00:03:52: Und zwar, was hat sie eigentlich dazu inspiriert, Astrophysiker anzuwerden?
00:03:57: Weil viele denken, es ist einfach nur eine weitere Art von Mathe oder einfach nur weiteres Physikgedöns, was für viele sehr langweilig ist.
00:04:04: Sie zu inspiriert, das professionell auch zu machen.
00:04:08: Für mich war die Inspiration nicht die Physik, sondern andersrum.
00:04:11: Ich wollte unbedingt ins Weltall schauen.
00:04:14: Da gibt es eine Geschichte, die ich immer erzähle, aber die wirklich war es.
00:04:19: Ich bin nicht in Deutschland aufgewachsen, sondern in Guatemala.
00:04:22: Mein Vater ist aus Guatemala.
00:04:25: Deswegen bin ich dort aufgewachsen, zur deutschen Schule in Guatemala gegangen.
00:04:29: Und gerade zu meiner Einschulung, das war ein warmer Winterabend, Als ich sechs Jahre alt war, kam meine Oma halt aus Berlin rüber.
00:04:40: Und wir waren an der Küste gewesen und wir fuhren im dunklen Abend halt zurück.
00:04:47: Und dann sagte meine Oma, guck mal da oben, Orion.
00:04:50: Und ich so, ich wusste überhaupt nicht, was Orion war.
00:04:53: Ich war sehr erstaunt.
00:04:54: Was ist denn das?
00:04:55: Und ich guckte auf den Himmel und war fasziniert davon.
00:04:58: Und dann sagte sie ... Na, ich seh, ich merk schon, dass du dich sehr für diese Himmel interessierst, weil, ah, sie hat mir dann erklärt, da sind die Sterne, da sind, äh, das Orionnebel, das ist zum Beispiel Taurus auch in der Nähe oder da, da drunter, dann kommt halt auch schon, äh, ähm, der, der große Hund und, äh, also kann ich's maior und hat mir halt so ein bisschen den, den Himmel erklärt und ich war so fasziniert davon.
00:05:24: und dann hat sie mir ja gesagt, guck mal, wenn du mal irgendwann mal auf den Himmel schaust.
00:05:29: Und Orion entdeckst, dann denkst du an mich, weil sie halt in Berlin gewohnt.
00:05:34: Und das war für mich so faszinierend, als ob plötzlich die ganze Welt auf einmal ganz klein wurde, weil wir uns den Himmel geteilt haben.
00:05:42: Und so habe ich tatsächlich immer den Himmel beobachtet.
00:05:46: Hauptsache halt in den Winterferien, wo wir in Guatemala lange Winterferien hatten.
00:05:51: und habe mich zuerst anorieren, aber dann über den ganzen Himmel orientiert.
00:05:55: Und dann wird man natürlich auch neugierig.
00:05:57: Was ist denn das?
00:05:58: Was ist in dieser Nebel?
00:05:59: Wie ist er denn da entstanden?
00:06:01: Und das wollte ich dann wirklich verstehen.
00:06:03: Mir war die Physik selber gar nicht mal so wichtig.
00:06:06: Es war nur dieses Beobachten des Weltalls und verstehen, in welchem Kontext und in welchem großen Universum wir uns bewegen.
00:06:16: Und die Erde ist dadurch so klein geworden und auch die Probleme der Erde werden dadurch auch total klein, wenn man sich das alles im riesengroßen Kontext des Weltalles anschaut.
00:06:27: Später dann war ich ziemlich gut in Mathematik und Physik.
00:06:33: Es war aber für mich nur immer nur ein Handwerk diese Sachen.
00:06:35: Für mich war das erste, Orion zu sehen oder den Himmel zu sehen.
00:06:40: Und das Zweite war dann, das Handwerk zu benutzen.
00:06:43: Und das ist immer noch meine Faszination, mich interessiert, das zu beobachten.
00:06:47: Manchmal ist es das Tollste, zuerst als erste Person jemals eine neue Galaxie zu sehen oder das Vortonen oder irgendwas zu erklären zum ersten Mal, was noch nie jemand gesehen hat.
00:07:00: Und ich bin total privilegiert, das zu meinem Job zu haben.
00:07:05: Ähm, ja, apropos.
00:07:07: Was war eigentlich eine ihrer spannendsten und interessantesten Entdeckungen, die sie gemacht haben?
00:07:14: Ich glaube, das, was ich erzählt hatte mit den Quasaren, dass diese ... Diese Quasare ist sehr schwierig, wie diese geboren werden.
00:07:22: Und was für einen Einfluss, die diese Quasare auf ihre Muttergalaxie sind.
00:07:26: Quasare leben halt immer im Zentren von einer Galaxie.
00:07:30: Und diese jungen Quasare waren sehr interessant, weil sie durch diese Galaxienverschmelzung geformt sind.
00:07:37: Und das konnte man erklären, dass das Ausschlag geben ist, damit der Drehmoment, der die Partikel eigentlich haben, dadurch zerstört wird.
00:07:46: und dadurch Material in das Zentrum kommen kann, damit das Quasa auch wirklich Material ins schwarze Loch im Zentrum kriegen kann und dadurch diese enorme Energie frei legen kann.
00:07:57: Zur gleichen Zeit habe ich aber dann auch herausgefunden, dass diese jungen Quasare besonders viele Winde haben und diese Winde die Muttergalaxie auch beeinflussen und die Sternenstehung in dieser Muttergalaxie stoppen.
00:08:12: Und es ist immer noch ein Rätsel gewesen, Warum die schwarze Lochmasse und die Masse der Galaxie oder die Drehung der Galaxie total miteinander was zu tun haben?
00:08:25: Wie kann etwas, was so klein ist wie unser Sonnensystem, die ganze Galaxie beeinflussen?
00:08:30: Das ist wirklich, als ob man einen Stock nimmt und irgendwie am Strand damit rührt und den ganzen Ozean damit beeinflusst.
00:08:40: Gut, es ist ein sehr starker Stock vielleicht, also ein schwarzes Loch ist schon sehr ... Trotzdem ist es sehr schwierig zu erklären.
00:08:47: Und durch dieses Zusammenspiel zwischen diesen Winden und was die Muttergalaxie überhaupt für Material in diese Schwarze Loch reinlässt, dass es halt, dass es das ein Zusammenspiel zwischen den zwei Sachen gibt, zwischen dem Großen der Ozean und dem Kleinen der Stock oder das Schwarze Loch.
00:09:06: Und dieses Inter-Spiel, also man wusste es schon, dass es dieses Inter-Spiel gab, aber die Erklärung dafür, das war eine Sache, zu den ich beitragen konnte.
00:09:17: Ja, jetzt mal ein bisschen was Privateres.
00:09:20: Und zwar, Sie haben ja auch in Kalifornien Ihre Doktorarbeit geschrieben.
00:09:24: Wie war es eigentlich, diese Doktorbeit zu schreiben, nicht nur während man ein Kind hat, sondern auch, während man auch noch Hubble-Zeit hat?
00:09:31: und wie du schon in einem der Interviews gesagt hast, dass man da sehr schnell publizieren muss?
00:09:36: Ja, war schwierig.
00:09:38: Nein, ich ... also ... na ja, wenn man halt von irgendwas so fasziniert ist, dann ... dann nimmt man sich die Zeit halt.
00:09:46: Also, aber ... ich ... erinnere mich zu der Zeit, also das ist auch schon so, fünf, zehn, zwanzig Jahre her, in der Zeit ... war zum Beispiel lost oder so sehr, sehr groß in den Fernsehen.
00:09:58: Ich hab davon überhaupt nichts mitgekriegt.
00:10:00: Ich weiß auch von den Nachrichten, was in der Zeit kam, auch überhaupt nichts.
00:10:05: Weil man ist so fokussiert ... auf die Arbeit.
00:10:09: Das ist auch manchmal, wenn man beobachtet geht.
00:10:11: Also wenn man nach Chile, auf dem Berg und man hat so seine Aufgabe und man geht beobachtet.
00:10:17: Und man arbeitet es halt gewissenshaft ab.
00:10:20: Und man ist so drin in dieser Arbeit, dass man das alles da, alles um einen herum herabfällt.
00:10:26: Also alle, was Politik oder was gerade irgendwo Krieg ist oder so.
00:10:32: Man ist so fokussiert auf die Arbeit oder dann halt auch auf das Baby.
00:10:36: Aber alles darum herum, fällt halt weg.
00:10:39: Und es ist aber auf der anderen Seite, wenn man so zurück denkt, es war sehr stressig ist, aber auf der anderen Seite ein sehr erfüllendes Gefühl, weil man hat das Gefühl, dass man schon sehr viel erreicht hat.
00:10:52: Okay, was ja auch an einem Ihrer Interviews gesagt haben, ist, dass es öfters mal Rückschläge gibt.
00:10:58: Und was war bei Ihnen eigentlich einer oder der größte Rückschlag, den Sie hatten?
00:11:03: Also die Rückschläge sind immer, wenn man halt keine ... Zeit bekommt Beobachtungszeit oder wenn man halt einen Antrag auf Geld oder ein Job Antrag nicht bekommen hat.
00:11:16: und der größte Rückschlag den ich hatte würde ich mal sagen halt geht halt um ein Job.
00:11:20: und zwar hatte ich ein Fellowship zu einer Universität die Yale Universität in New Haven in Connecticut und mit einer großen Astrophysikeren zusammen zu arbeiten und ich war mit einem anderen habe ich um einen Platz im Wettbewerb.
00:11:39: Es haben sich viel mehr beworben.
00:11:43: Wir waren die Shortliste von zwei.
00:11:47: Der andere hat es dann bekommen.
00:11:50: Die Frau, die hat mir danach auch eine ganz tolle E-Mail geschrieben, dass ich überhaupt nicht aufgeben sollte, dass es wirklich zwischen mir und ihm war.
00:11:59: Aber trotzdem war es ein ziemlich schlimmer Rückschlag.
00:12:02: Verstehe, gibt es eigentlich noch irgendetwas, was sie in Zukunft noch gerne wissenschaftlich oder auch persönlich erreichen wollen, die zum Beispiel, keine Ahnung.
00:12:09: Etwas Neues entdecken, sowas in die Richtung.
00:12:14: Ich habe mich inzwischen auf große Instrumente bauen konzentriert.
00:12:20: Im Moment arbeiten wir an den Nachfolger von dem Muse-Instrument.
00:12:24: Muse ist ein großer, drei-D-Spektrograph, ein Riesiger, der auf dem Very Large Telescope auf dem Cerro Paranal in Chile ist.
00:12:34: Das haben wir ja in den Fallen des Jahrhunderts.
00:12:35: Und jetzt ist das Nachfolge-Instrument, das heißt Blue Muse.
00:12:40: Es ist genauso wie Muse, ein riesiger Dreidyspektrograph, nur dass er halt in den Blauen Wellen halt arbeitet und viel größere spektrale Auflösung hat.
00:12:51: Aber in einem weit entfernten Zukunft, also vielleicht in den Zweitausendvierziger, werden gerade Pläne gemacht, einen zwölf Meter Teleskop mit einem noch riesigeren Dreidyspektrografen und einem Spektrografen mit dreißigtausend Fasern, also ein Faserspektrograph und ein D-Spektrograph zusammen an einem Zwölfmeter-Teleskop.
00:13:16: Also das ist ein Projekt, das ungefähr fünfhundert Millionen Euro kosten soll.
00:13:20: Also wie gesagt, es soll erst in den Zweitausendvierzig starten.
00:13:24: Und es ist gerade ein Riesenkonsortium, an dem sich gerade ungefähr tausend Wissenschaftler beteiligen.
00:13:30: Es fängt gerade erst an, wir haben gerade erst die erste EU-Förderung gekriegt.
00:13:36: Und ich leite darin einen großen Quasar Survey.
00:13:41: vielleicht, wenn es irgendwann mal geht.
00:13:44: Und das wäre mein größter Traum, wäre das noch mal noch mitzuerleben, dass dieses Teleskop uns Photon unterschickt.
00:13:55: Verstehe, noch eine Sache.
00:13:57: Könnten Sie es empfehlen, ein Astrophysiker oder eine Astrophysikerin zu werden?
00:14:02: auf jeden Fall.
00:14:03: Also selbst, wenn man danach nicht in dem Job bleibt, man lernt so viele zweites Wissen halt.
00:14:11: Und man hat, wie gesagt, das Privileg, sich den Himmel anzuschauen auf der gleichen Zeit.
00:14:18: Aber ... Es gibt heutzutage kein Astrophysiker, der nicht programmieren lernt.
00:14:23: Und dieses Wissen, was man halt dadurch erwirbt, ob das nur mit KI oder mit großen, riesengroßen Datenmengen zu tun, also riesengroßen Datenbanken, das kann man jederzeit irgendwo anders halt auch anwenden.
00:14:35: Und Firmen reißen sich wörtlich um diese Expertise, sei es nur in der Programmierung um der KI, also Maschinelles Lernen, oder um diese riesengroßen Datenmengen damit umzugehen.
00:14:48: Und dann natürlich auch dieses analytische Denken, dass man sich an einem Problem festbeißen kann und mit einer Lösung manchmal sogar nicht die normalste oder die einfachste Lösung, sondern eine sehr kreative Lösung damit kommen kann.
00:15:02: Und es gibt auch viele Leute, die freuen sich, einfach nur die Doktorbeit in Astrophysik zu schreiben.
00:15:10: Die haben gar nicht vor, in Astrophysik später zu arbeiten, aber einfach diese ... Diese fünf Jahre, wo man zuerst Masterarbeit und dann Doktorarbeit in der Astrophysik bekommt und diesen Einblick und vielleicht auch mal einen Teleskop fährt oder mal Hobbydaten kriegt oder von einem Weltraumteleskop.
00:15:27: Jetzt gibt es ja diese James Webb-Daten.
00:15:30: Das ist schon eine spannende Zeit und ich kann nicht nur jedem empfehlen.
00:15:35: Jetzt noch mal etwas mehr wissenschaftliches.
00:15:37: Ja, klar.
00:15:39: Spielenschmerzlöcher eigentlich eine sehr große Rolle in der Galaxie-Entstehung.
00:15:42: Also wie zum Beispiel ... Sammeln sich viele Sterne um ein schwarzes Loch, wenn es groß genug wird?
00:15:48: Es spielt eine super große Rolle.
00:15:52: Wir wissen es immer noch nicht.
00:15:54: Und es James World Telescope scheint diese Fragen anzugehen.
00:15:59: wo es immer noch sehr viele Fragen gibt, ob das erste war, ob es zuerst schwarze Löcher und dann die Galaxie gab oder zuerst die Galaxie und dann die schwarzen Löcher im Zentrum.
00:16:10: Und dieses Spiel, also es scheint so zu sein, dass die schwarzen Löcher gerade gewinnen.
00:16:15: Also es ist eher so, dass die Galaxie sich um diese schwarzen Löcher, diese frühen schwarzen Löcher versammeln, weil es halt wirklich auch Gravitations ... Brunnen sind, also wo alles halt hinein fällt und wo die ersten Schwarzen Löcher waren, auch eine große Galaxie sich danach ansammeln kann.
00:16:37: Und später auch dieses Interspiel, was ich erzählt habe.
00:16:40: Also die die Galaxie lässt nur so viel Material ins Schwarze Loch und auf der anderen Seite reguliert das Schwarze Loch die Sternenstehung in der Galaxie.
00:16:48: Sonst würden wir heutzutage riesige Galaxien haben.
00:16:52: Unsere Milchstraße übrigens ist eine eine nicht sehr Normale Galaxie, unser Schwarzes Loch im Zentrum, ist etwas kleiner als wir als andere Schwarze Löcher.
00:17:01: Die Schwarze Löcher in der Andromeda-Galaxie ist um ein tausendfaches größer als das Schwarze Loch in der Milchstraße.
00:17:10: Die ist wiederum fast schon zu groß.
00:17:12: Und wie das halt zusammenspielt, hatte das unser Schwarzes Loch so wenig ... gewachsen ist, also so wenig Zeit in dieser Quasarphase hatte, hat es irgendetwas damit zu tun, dass wir überhaupt in unserer Galaxie leben haben.
00:17:26: Weil in dieser Quasarphase könnte halt sein, dass es viel Lebens erstört.
00:17:31: So eine Sonne, das kann auch wirklich Einflüsse haben, die wir noch gar nicht wissen.
00:17:38: Und insofern ja, in dieser Quasarphase kann dieser schwarze Loch die Mutter Galaxie sehr beeinflussen.
00:17:47: Bleiben wir mal wieder bei den Galaxien.
00:17:48: Und zwar, was passiert eigentlich so mit einer Galaxie?
00:17:51: in den Laufen von Millionen, von Milliarden, sehr vielen Jahren?
00:17:55: Entwickeln die sich, wenn die größer, wenn die kleiner?
00:17:58: Ja, die waren immer größer.
00:18:00: Also sie, außer dass halt plötzlich durch einen gravitativen Vorbeiflug vielleicht alle ihre Sterne verlieren.
00:18:11: Das ist eine sehr, sehr spezielle Konstruktion.
00:18:14: werden Galaxien immer größer.
00:18:16: Sie kriegen vom intergalaktischen Medien, also von der Umgebung immer Masse, also Gas dazu.
00:18:24: Und dieses Gas wird dann zu Stern verarbeitet.
00:18:27: Man kann sich das so vorstellen, als ob man eine Stadt hätte.
00:18:31: Man fängt halt mit einem Dorf an und es führt immer größer.
00:18:34: Man hat als Städte, die existieren schon sehr lange, wie Rom.
00:18:38: Also schon vor tausenden von Jahren entstanden war aber zuerst auch nur ein kleines Dorf und ist immer größer und immer größer geworden.
00:18:45: Es gab auch Epochen, wo es nicht so gewachsen ist, wo vielleicht gar nicht so viel Gas dazu ankam.
00:18:54: Aber heutzutage ist Rom eine riesengroße Stadt.
00:18:57: Manche Galaxien haben später angefangen.
00:18:59: Berlin ist auch nicht so eine alte Stadt.
00:19:03: Die ist relativ jung, ungefähr acht, hundert Jahre alt oder so.
00:19:07: Die ist später gewachsen, ist aber viel schneller gewachsen.
00:19:11: So kann man sich auch Galaxien vorstellen.
00:19:13: Sie kriegen immer Material.
00:19:15: Es kommt darauf an, in welchen ... wo sich im kosmischen Netz sozusagen diese Galaxie befindet, ob sie jetzt nur viel Material bekommt oder wenig Material bekommt.
00:19:29: Gibt es viele Galaxienverschmelzungen?
00:19:31: Also ungefähr vor zehn Milliarden Jahren gab es besonders viele oder vielleicht acht Milliarden Jahren besonders viele Galaxienverschmelzungen, was man sozusagen des Kosmik Nun nennt, wo Galaxien besonders viel passiert ist, also wo Galaxien besonders gewachsen sind.
00:19:47: Oder war es eher ... Eine ruhige Entwicklung.
00:19:49: Das hat jede Galaxie eine Geschichte für sich.
00:19:53: Dann gibt es noch zwei Arten von Galaxien.
00:19:56: Es gibt die Scheibengalaxien oder sozusagen Spiralgalaxien.
00:20:01: Wenn man sich die schönen Hobbelbilder anschaut, sind diese schönen Spiralnebel.
00:20:05: Dann gibt es elliptische Galaxien, die sehen halt wirklich so aus wie Bälle.
00:20:10: eine Ansammlung von Sternen, die im Form eines Balls sind.
00:20:13: Ob es jetzt nur ein Football ist oder ein Fußball ist natürlich nicht wichtig, aber die haben keine Spiralstruktur.
00:20:21: Und das hat natürlich auch mit der Geschichte der Galaxie zu tun.
00:20:24: Also diese elliptischen Galaxien scheinen schon sehr alte Galaxien zu sein, wo diese Verschmelzungen und diese Sternenstehung vor sehr, sehr viel Zeit passiert ist, während die Spiralgalaxien wie unsere Milchstraße selber noch Stärne entstehen und entwickeln.
00:20:43: Wie ist eigentlich so ein alltäglicher Arbeitstag bei Ihnen?
00:20:46: Also sitzen Sie eher viel vor dem Computer?
00:20:49: Oder sammeln Sie die ganzen Zeit Daten, messen irgendwas?
00:20:53: Ja und ja, also wir messen immer an Computer, deswegen sitze ich die ganze Zeit vor dem Computer.
00:21:01: Die Daten, man geht sehr leider sehr ... nicht so oft beobachten.
00:21:10: Oder man kriegt sogar die Daten an den Computer geliefert.
00:21:13: Deshalb ist man die meiste Zeit damit beschäftigt, diese Daten zu analysieren.
00:21:18: Es gibt ein Prozess, das nennt sich Datenreduktion.
00:21:22: Das heißt, die Rohdaten, die als CCD-Daten bei uns ankommen, müssen so massiert werden, sodass man am Ende wirklich ... Fluss, also physikalische Information aus diesem Bild herausbekommen kann.
00:21:38: Sodass man sagen kann, ah, diese Galaxie hat so und so viel Watt.
00:21:42: Also wirklich tatsächlich Watt, wie unsere Glühbirme imitiert.
00:21:47: Natürlich sprechen wir dann von zehn hoch, von dreißig bis vierzig Watt und nicht von zwanzig Watt oder so etwas.
00:21:55: Aber man spricht tatsächlich von physikalischen Größen, die man dann messen kann.
00:22:00: Und diese Datenreduktion, die ist inzwischen sehr kompliziert geworden.
00:22:04: Also, da verbringe ich einen großen Teil meines Lebens, diese Programme zu schreiben.
00:22:11: Also, man muss ja, wie gesagt, sehr viel programmieren.
00:22:14: Und dann diese Daten, die dann herauskommen zu analysieren, versuchen... Doppler Effekte oder die Expansion des Universums, die Geschwindigkeit daraus wirklich zu messen.
00:22:25: Also da schreibt man auch kleine Computerprogramme, um so etwas zu messen.
00:22:29: Und dann, also ein Wissenschaftler lädt wir davon, indem er publiziert, er muss immer die Ergebnisse in irgendwelchen wissenschaftlichen Zeitschriften publizieren.
00:22:41: Und dann verbringt man sehr viel Zeit, damit diese Daten, die man hat, zu erklären und in einem Format zu bringen, dass man anderen Wissenschaftler die Nachricht gibt.
00:22:50: Das habe ich entdeckt.
00:22:52: Und man muss zur gleichen Zeit natürlich auch sehr viel andere Publikationen lesen, damit man auf dem Laufenden ist.
00:22:59: Und man muss zur gleichen Zeit die... Man muss die Arbeit von anderen Referien, also versuchen zu überprüfen, ob das alles, ob die anderen Personen das auch wissenschaftlich korrekt gemacht haben.
00:23:14: Man kann auch sogar vielleicht mit dem Ergebnis nicht einverstanden sein.
00:23:17: Aber wenn alles wissenschaftlich korrekt ist, muss diese Publikation empfohlen werden, dass diese Publikation an die große Öffentlichkeit tritt.
00:23:26: Und all diese Arbeit nimmt sehr viel Zeit.
00:23:30: von sich.
00:23:31: Und leider, leider ist halt sehr, sehr wenig Zeit mit dem eigentlichen Beobachten zu tun.
00:23:37: Okay.
00:23:38: Frau Ruzia, was ist eigentlich Ihr Mitbringsel, was Sie heute zu dieser Folge mitgebracht haben?
00:23:46: Das
00:23:46: Mitbringsel.
00:23:47: Das Mitbringsel.
00:23:48: Das Mitbringsel.
00:23:51: Ich habe ein kleines Bastelstück, ein Teleskop.
00:23:55: Erosita, das ist ein Röntgen-Teleskop.
00:23:57: Das wurde vom... DLR gebaut, hauptsächlich in München, aber das AIP, also das Institut, wo ich war, ist damit auch involviert.
00:24:08: Und das beobachtet das Universum nicht im optischen Bereich, sondern im Röntgenbereich.
00:24:12: Und da ist Deutschland führend in dieser Sache.
00:24:15: Und es ist sehr spannend, sie beobachtet den ganzen Himmel, tastet den ganzen Himmel in Röntgenbereich ab.
00:24:22: Leider wurde das Teleskop, weil es von russischen Trägerakete hochgeschossen wurde, durch den Ukraine-Krieg gestoppt.
00:24:30: Aber trotzdem die Bilder, die bis in den Röntgen-Bereichen bis in den Röntgen runtergeschickt wurden, sind atemberaubend und erklären uns sehr viel über das Aggressionsverhalten, also wie Materie ins schwarze Loch von Galaxien halt fällt.
00:24:46: Vielen Dank, das war echt ein sehr interessanter und lehrlicher Vortrag.
00:24:50: Das war die heutige Folge von Brandwissen und ich hoffe, ihr schaut doch bei der nächsten Folge vorbei.
00:24:56: Tschüss,
00:24:56: tschüss.
00:25:03: Das war Brandwissen, junge Fragen an kluge Köpfe.
00:25:07: Der Podcast der Eure Neugier entfacht, produziert von Pro-Wissen-Potsdam in Zusammenarbeit mit seinen Mitgliedern, den wissenschaftlichen Instituten, Universitäten und Hochschulen.
00:25:18: Abonniert uns, empfehlt uns weiter und bleibt neugierig.
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