#28 Wie krisenfest sind wir wirklich?

Shownotes

Wie krisenfest sind wir wirklich?

Hochwasser, Stromausfälle, Klimawandel oder Lieferengpässe – viele Krisen treffen uns heute nicht mehr einzeln. Sie hängen miteinander zusammen und können Kettenreaktionen auslösen.

In dieser Folge von BRANDWISSEN spricht Moderator Jan Prüver mit PD Dr. Pia-Johanna Schweizer, Leiterin der Forschungsgruppe „Systemische Risiken“ am RIFS am GFZ Potsdam, über die Frage, wie wir unsere Gesellschaft widerstandsfähiger machen können.

Was ihr in dieser Folge erfahrt • Was systemische Risiken von anderen Gefahren unterscheidet • Warum Hochwasser, Klimawandel und Infrastruktur eng miteinander verbunden sind • Weshalb Renaturierung oft besser schützt als immer höhere Deiche • Welche Rolle Wissenschaft bei der Krisenvorsorge spielt • Warum Eigenverantwortung und staatlicher Schutz zusammengehören • Wie wir lernen können, mit Unsicherheiten umzugehen

Das Mitbringsel PD Dr. Schweizer bringt einen Gegenstand mit, der sinnbildlich für ihre Forschung steht: Er zeigt, dass Krisen selten isoliert auftreten, sondern immer Teil eines größeren Systems sind. Was genau dahintersteckt, erfahrt ihr in der Folge.

Mehr zur Forschung RIFS – Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit am GFZ Potsdam https://www.rifs-potsdam.de

Moderation: Jan Prüver

Transkript anzeigen

00:00:07:

00:00:24: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Brandwissen.

00:00:26: In unserer extrem vernetzten Welt erleben wir, dass Krisen selten isoliert auftreten – ob Klimawandel, Naturkatastrophen oder das verheerende Hochwasser an A- und Erft im Jahr.

00:00:39: Wie bekommen wir solche Umweltkatastrophen in den Griff?

00:00:41: Und was bedeutet das eigentlich, wenn Risiken nicht mehr lokal sondern systemisch sind.

00:00:46: Darüber spreche ich heute mit einer Expertin die genau daran forscht.

00:00:49: Sie leitet die Forschungsgruppe Systemische Risiken am Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit am GFZ in Potsdam.

00:00:55: Herzlich willkommen im Podcast Pierre-Johanna Schweitzer!

00:00:58: Vielen Dank für die Einladung.

00:00:59: Ich freue mich hier zu sein.

00:01:01: Wenn man an Risiken denkt, denkt man an ein einzelnes isoliertes Ereignis vielleicht so ein kaputtes Auto oder Wie wir jetzt erlebt haben, enorme Hitze oder ein lokales Gewitter.

00:01:13: Sie erforschen aber systemische Risiken.

00:01:15: Was unterscheidet denn ein systemisches Risiko von einer normalen Gefahr bzw einem normalen Risiko?

00:01:21: Wir verstehen unter systemischen Risiken Risiken mit Kaskade-Effekten die auf verschiedene gesellschaftlichen Domänen befassen.

00:01:31: Hier geht es dann insbesondere darum, dass sie auch nicht isoliert erforscht werden können.

00:01:36: Zum Beispiel als Gesundheitsrisiko oder als Naturgefahr, sondern das es hier darum geht, dass diese Domino-Effekte, diese Kaskadeneffekten verschiedene Bereiche unseres Lebens beeinflussen.

00:01:51: Wenn alles mit allem vernetzt ist, führt das zu einem Domino-Effekt.

00:01:56: Gab es in Ihrer Forschung einen Moment, an dem Sie von den unvorhersehbaren Kettenreaktionen eines kleinen Problems überrascht waren?

00:02:06: Ich war davon überraszt im privaten Umfeld auch während der Covid-Pandemie als es ums Impfen ging.

00:02:14: Ich habe mich impfen lassen.

00:02:16: Das ist eine persönliche Entscheidung.

00:02:18: Muss man nicht machen!

00:02:21: Nur, wie dann die Leute mit denen ich aufgewachsen bin zum Teil damit auch umgegangen sind.

00:02:30: Auf was für eine Diskussion das ganze dann gestoßen ist?

00:02:34: Das hat mich in dem Zusammenhang wirklich überrascht und da habe Naja, Auswirkungen das dann hat wenn man quasi so die private den privaten Bereich hat wo man seine Familien hat und seinen bekannten Netzwerk.

00:02:51: Dann aber auch die Risiken erforscht wie Menschen mit Risiken umgehen.

00:02:55: Und da habe ich gesehen wie das total ineinander greift.

00:02:58: Das fand ich auf der einen Seite ist total spannend zu beobachten Auf der anderen Seite war es aber auch echt eine Herausforderung.

00:03:05: Das war richtig interessant.

00:03:09: Ist vielleicht das Ausmaß von solchen Kettenreaktionen von diesem Domino-Effekt manchmal auch ein bisschen beängstigen, wenn man sich denkt das geht ja aber alles ganz schön schnell und das eine Rad greift uns andere.

00:03:20: Ja für mich stellt sich dann insbesondere die Frage wie gehen wir denn damit um?

00:03:23: Also da die Analyse ist ja das eine quasi die Frage was sind diese physikalischen Phänomene oder was sind die biologischen Phenomene, die zu diesen Risiken beitragen?

00:03:38: Wie entstehen zum Beispiel Tsunamis.

00:03:42: Die Frage ist dann aber auch, was tun wir denn dagegen und wie gehen wir damit um?

00:03:48: Und gerade bei systemischen Risiken haben wir die Herausforderung weil diese Domänen überspannenden Auswirkungen da sind.

00:03:59: Wo setzen wir mit Policy Instrument an?

00:04:01: Wo können wir genau ansetzen, um das ursprüngliche Ausgangsrisiko in den Griff zu bekommen?

00:04:08: Und das ist eben nicht einfach.

00:04:11: Ihr Institut des Rives hat einen sehr spannenden Sitz in Potsdam.

00:04:15: Früher war dort die Bundesbank untergebracht heute wird dort zur Transformation der Gesellschaft geforscht.

00:04:20: kann man sagen dass sich der Fokus unserer Gesellschaft auch so ein bisschen verschoben hat weg vom reinen Verwalten von Wohlstand hin zum Krisenmanagement?

00:04:28: Das würde ich so ehrlich gesagt nicht sehen.

00:04:30: Wir sind in vielerlei Hinsicht noch dabei, wirklich von unserem bisher erarbeiten Wohlstand zu zähren und investieren relativ wenig in gesellschaftliche Resilienz als in vorausschauendes, wirklich zukunftsweisendes Planen- und auchentscheiden.

00:04:50: Da wird noch viel provokant gesagt ausgesessen

00:04:58: Sollte da ein bisschen mehr in Richtung Krisenmanagement passieren, wenn einfach aktuell der Wohlstand natürlich auch genossen wird.

00:05:06: Ich meine es ist ja jetzt auf dem ersten Blick auch nichts Verwerfliches.

00:05:09: aber ich mein, wenn so eine Krise kommt, eine Umweltkatastrophe beispielsweise dann ist der Wollstand auch ganz schnell weg.

00:05:16: man hat's zwei tausend und zwanzig Jahre gesehen.

00:05:19: sollte da vielleicht mehr der Fokus drauf gelegt werden oder gibt es aktuell tatsächlich noch andere Prioritäten die wichtiger sind?

00:05:25: Wir müssen die Dinge zusammen denken.

00:05:27: Das sehen wir wie bei den systemischen Risiken.

00:05:30: Es geht darum, nicht nur auf Krisen gut vorbereitet zu sein um dann schnell einsetzbar und agil reagieren zu können sondern wir müssen auch die langsamer sich anschleichenden Phänomene und Risiken betrachten Wie zum Beispiel Verlust von Biodiversität.

00:05:52: das sind natürlich Auswirkungen des Klimawandels.

00:05:57: Das sind Dinge, die nicht so von jetzt auf nachher sofort stattfinden.

00:06:01: Sondern das bahnt sich langsam an.

00:06:03: und beides zusammen zu denken auch da diese verschiedenen Zeitachsen und diese temporalen Dynamiken wie diese Risiken sich entwickeln.

00:06:13: Dass dann in der tatsächlichen politischen und tagtäglichen Entscheidung umzusetzen.

00:06:20: Das ist eine Herausforderung dass es schwierig muss aber gemacht werden.

00:06:24: Gehen wir mal in die Praxis.

00:06:25: Im Jahr im Jahr hat ein verheerendes Hochwasser Gebiete um Flüsse A und Erft verwüstet, das Hochwasser hat damals unter anderem das Rückhaltebecken Horchheim komplett lahmgelegt.

00:06:35: Die Steuerwarte wurde geflutet Das Becken war außer Betrieb.

00:06:38: zeigt uns nicht schmerzhaft dass unsere technologische Infrastruktur die uns eigentlich schützen soll oft selbst die größte Schwachstelle in unserem System ist?

00:06:46: Das ist zum Teil so.

00:06:48: auf jeden Fall gerade hier dem Ort Aweiler sieht man dann auch, dass dieses Hochwasser eine Brücke überflutet hat.

00:06:57: Die Brücke steht noch die gibt es dies nicht eingestürzt.

00:07:01: was aber passiert ist auch hinten.

00:07:04: da führt ne Bahntrasse entlang und das ist ja ein ziemlich so Mittelgebirge das zum gebirgiges lander ist das dieser ort der liegt in einem ganz eingeschnittenen, total lauschigen Landschaft wirklich wunderschön.

00:07:22: Nur diese Bahntrasse muss natürlich ein Tunnel durchgebohrt werden.

00:07:27: und was sich dann physikalisch letztendlich dargestellt hat war dass dieses dieses Wasser, das da aufgestaut war.

00:07:37: Das da mit Schwung reingedonnert ist durch wie so ein Harz-Siphon und hat hinten durchgetunnelt ist.

00:07:45: Und dass dann so eine Art Tsunami entstanden ist ja mit extra viel mehr Gewalt.

00:07:52: Diese Kombination aus menschgemachter Umgebungen, infrastruktur und diesem natürlichen Phänomen ... von Hochwasser.

00:08:04: Diese Kombination hat sich da als besonders fatal erwiesen.

00:08:08: und was noch hinzukommt, ist natürlich auch das, was diese Flutkatastrophe gezeigt hat, dass es sich insbesondere dann auch die Einsatzkräfte besonders gut koordinieren und abstimmen müssen.

00:08:20: nur wie lässt sich das bewerkstelligen wenn die Kommunikationssysteme zusammenbrechen?

00:08:26: Wie lässt sich die Brücke schlagen zwischen Und ihr Mitbringsel heute.

00:08:38: Das Mitbringseln!

00:08:43: Ich habe ein Glas Wasser mitgebracht und zwar hab ich da jetzt schon rausgedrunken, danke schön.

00:08:50: Im Moment ist das Glas halb voll oder halb leer?

00:08:54: Es kommen bisschen so auf die Beurteilungen aber es ist auf jeden Fall Leitungswasser und das hat Trinkwasserqualität.

00:09:02: Darauf können wir uns verlassen wenn wir an den Hahn gehen.

00:09:07: Absolut reines Trinkwasser raus.

00:09:09: Das ist ein hohes Gut, dass wir haben und uns immer zur Verfügung steht.

00:09:16: Wasser kann aber auch zur Katastrophe werden, wie wir gerade gehört haben?

00:09:21: Wenn zu viel was teils, wenn es zu schnell auf uns zukommt ... Es kann aber ein Gesundheitsrisiko sein, wenn das z.B.

00:09:29: verschmutzt ist.

00:09:30: Damit hatten wir bei der Flut dann auch zu tun.

00:09:35: die ... Heizöl ist ausgelaufen.

00:09:38: Da gibt es immer noch Verschmutzungen in der Umwelt, wo die Ölflecken nicht ganz abgetragen wurden und so hängt das zusammen, deswegen den System dann auch ganzheitlich zu denken.

00:09:55: Ein Wasserkreislauf in seiner Gänze, aber auch die menschliche Infrastruktur und was für Auswirkungen mögliche Schwachstellen haben könnten.

00:10:05: ist es vielleicht sogar ein bisschen schwerer, damit umzugehen.

00:10:09: Wenn das Ganze ein bisschen schleichener vonstatten geht, so im Prozess ... sag ich mal, wenn jetzt zu wenig Wasser da ist, merkt man vielleicht nicht sofort, von jetzt auf gleich ist auf einmal weniger Wasser da.

00:10:22: Ist es vielleicht schwerer damit umzugehen als wenn plötzlich eine Flutkatastrophe kommt und gleich sichtbar ist?

00:10:28: Das ist ne Riesenkrise.

00:10:30: In Brandenburg haben wir vermutlich eher das Problem mit weniger Wasser.

00:10:35: Es sind auf jeden Fall zwei Seiten von derselben Medaille.

00:10:41: Wir wissen alle, wir brauchen es und wir gehen damit um.

00:10:43: Wir sehen das als ganz natürlich an aber die verschiedenen Auswirkungen, Eingriffe, die wir Menschen in den natürlichen Wasserkreislauf auch gemacht haben und nicht zu vergessen dann auch den Eingriff ins Klimasystem.

00:10:59: Was dann auch wieder Auswirkungen hat auf lokale Wetterphänomene.

00:11:04: Solche Dinge lassen sich natürlich von vornherein nicht direkt abschätzen, was da die Auswirkung sein werden.

00:11:11: Grundsätzlich ist es so dass wenn's in ums direkte Tun geht jetzt müssen wir schnell schnell reagieren.

00:11:18: Jetzt muss dringend etwas getan werden das es da einfacher ist den Moment einer Krise zu nutzen und darauf aufzubauen als sich einem etwas eher langsameren, schleichend anbahnden Prozess vorausschauend adaptiv anzunehmen.

00:11:39: Was sind denn Ihre Wege jetzt beispielsweise um solche Risiken zu verhindern oder zu verringern?

00:11:46: Die Chance auf so ein systemisches Risiko.

00:11:50: Welche Maßnahmen werden unternommen, um Flutkatastrophen oder Unwetterkatastrophe zu verhindern?

00:12:01: Versuchen in unsere Forschung zwei Aspekte zusammenzubringen.

00:12:05: Das eine ist das Katastrophenmanagement, wo es dann wirklich darum geht wie sie die gebaute Infrastruktur aus?

00:12:15: Wie lassen sich denn auch schnelle Einsatzpläne gestalten?

00:12:19: Wie lasse sich Koordinationskaskaden und Kommunikationswege möglichst gut aufeinander abstimmen im Krisenfall?

00:12:29: Den anderen Aspekt, den wir damit aber auch betrachten ist Anpassung an den Klimawandel.

00:12:35: Das ist eine wirklich sehr in die zukunftsschauende Perspektive.

00:12:40: da fehlt zum Teil auch einfach die Datengrundlage.

00:12:44: Da können wir uns nicht auf zurücklegende Daten rein berufen und sagen naja Wir extrapolieren aufgrund dieser empirischen Daten in die Zukunft.

00:12:55: Sondern da müssen wir dann auch unsere Schutzziele.

00:12:58: was Woran möchten wir unsere, zum Beispiel die Infrastruktur aber auch die Funktionalität von unserer Gesellschaft ausrichten?

00:13:07: Müssen wir anpassen.

00:13:09: Denn das was man so als Jährigkeit betrachtet vom Hochwasser dieses HQ-Hundert

00:13:14: z.B.,

00:13:14: ja was früher das HQ hundert war wird es in Zukunft nicht mehr sein.

00:13:19: Wir können uns da nicht mehr auf die zurückgehenden Daten rein verlassen weil Die Wetterphänomene werden sich jetzt ändern mit Auswirkungen des Klimawandels.

00:13:31: Ist es in manchen Gesellschaftsteilen schwer, solche Maßnahmen vielleicht anzubringen?

00:13:38: Ich weiß nicht ... Nehmen wir ein Deich an der Nordsee.

00:13:43: Ist das da leichter, diese Maßnahme den Leuten zu vermitteln als wenn man hier eine Maßnahme gegen Dürre oder so unternimmt?

00:13:52: und unterscheidet sich das nicht großartig in Deutschland?

00:13:55: Oder vielleicht kurz zusammengefasst, wie kommen diese Maßnahmen bei der Bevölkerung an?

00:14:00: Unsere Forschung zeigt dass die Bevölkerung grundsätzlich solchen Transformationsprozessen wenn es um Anpassungen an Klimawandel oder aber auch Energietransformation geht.

00:14:14: Diesen quasi übergeordneten Leitprinzip sehr positiv gegenüberstehen zumindest in der Mehrheit Wenn es jetzt auch darum geht, bestimmte einzelne Maßnahmen, bestimmten Baumaßnahmen oder bestimmte Transformationsprozesse im Lokalen umzusetzen.

00:14:36: Da regt sich dann eher Widerstand?

00:14:39: Das liegt aber nicht daran dass die Leute nicht hinter dem größeren gesellschaftlichen Ziel stehen sondern geht es viel mehr darum denn auch um Fragen der Gerechtigkeit.

00:14:48: Warum gerade hier, warum gerade wir und warum so und nicht anders?

00:14:55: Und auch da setzen wir mit unserer Forschung an.

00:14:58: Da geht es nämlich dann auch darum, was ist denn tatsächlich der Möglichkeitsspielraum?

00:15:05: Wir raten definitiv davon ab, Beteiligungsverfahren durchzuführen wenn es keine Möglichkeiten zur Entscheidung gibt.

00:15:15: Also Beteilligung und Partizipation – da geht es nicht darum nach der Entscheidung!

00:15:22: die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger zu bekommen für bestimmte Maßnahmen, quasi in Abnicken.

00:15:28: Sondern es geht darum, Partizipation macht dann Sinn und ist zielführend, wenn es tatsächlich etwas zu entscheiden gibt und wenn die Empfehlungen der Bürgerin und Bürger auch tatsächlich aufgenommen werden

00:15:39: können.".

00:15:43: Wenn wir uns das Ganze im Kleinen Mal anschauen – also auf dem Privathaushalt wird ja Krisenvorbereitung ...flach darstellen will, so mit Hamsterkäufen beispielsweise.

00:15:56: Ja eher belächelt wenn jetzt da einer im Netto zehn Klopapierpackungen da irgendwie wegkauft.

00:16:02: Ist es aber vielleicht dennoch auch in einem freien Land ja jeder seines Glückes schmiedt und jeder ist auch irgendwo selber für seine Krisenvorbereitung verantwortlich?

00:16:12: Würden Sie der Aussage zustimmen oder nicht?

00:16:16: Naja ich würde sagen... Es gibt ja schon eine gewisse Selbstverpflichtung von jedes Individuum, sich selber gegenüber Sorge zu tragen.

00:16:27: Aber natürlich hat auch der Staat eine Rolle die hinsichtlich Katastrophenschutz und dann auch das Einsatz ist wie mit einer Krise umgegangen wird oder mit einer Katastrophe umgegang wird Und zwar klar ist es so dass Es gibt ja auch Handreichungen, wie man sich auf einen Stromausfall oder ähnliches vorbereitet.

00:16:50: Wir hatten jetzt in Berlin im vergangenen Winter einen großen Stromausfalt aufgrund eines Anschlages auf ein Verteilungsnetzwerk mit wirklich gravierenden Auswirkungen für etliche Personen und Das sieht man mal, wie vulnerable diese Infrastrukturen sind und wie wenig vorbereitet wir dann auch sind.

00:17:14: Aber nun ist es klar dass es auch vulnerable Gruppen gibt zum Beispiel ältere Leute die nicht mehr so mobil sind Auch Familien mit Kindern Mit kleinen Kindern ja die wo's darum geht das dass die Kinder auch in einer warmen Wohnung leben Und Dann auch leute mit bestimmten Einschränkungen.

00:17:39: Den können wir natürlich nicht die Verantwortung übertragen.

00:17:42: Ja ja, kümmert euch um euch selbst!

00:17:44: Sondern hier ist es schon die Rolle des Staates dann auch dementsprechend zu unterstützen und das ist auch wiederum die Balance, die es hier zu treffen gilt.

00:17:57: Klar, jeder sollte sich vorbereiten soweit es eben geht.

00:18:00: Aber trotzdem muss auch investiert werden das dann in einem Fall von Stromausau oder Ähnlichem was da auf uns zukommen mag dass die verschiedenen Leitstellen das da dann die bestimmten Stellen auch schnell eingreifen können.

00:18:16: Okay, erst klar.

00:18:17: Wir müssen jetzt hier nicht unbedingt von einem Nachteil der Freiheit sprechen wenn wir sagen jeder muss für seine Krisenvorbereitung selber sorgen.

00:18:25: es gilt darum eine Balance zu finden zwischen ja ihr müsst selber für euch verantwortlich sein und das Staat greift euch eventuell dann eben auch unter die Arme.

00:18:34: hat der Staat denn überhaupt die finanziellen Mittel oder überhaupt die Mittel um den Leuten unter die arme zu greifen wie beispielsweise jetzt im Winter?

00:18:43: Das ist die Rolle des Staates, in gesellschaftliche Resilienz zu investieren.

00:18:47: Darum geht es, dass die Menschen mit solchen Herausforderungen so gut wie nur irgendwie möglich umgehen können und das sind wirklich auch dann wohlinvestierte Steuergelder wenn wir die Möglichkeiten schaffen, dass sich Menschen So gut wie möglich es selbst helfen und dann auch dementsprechend Netzwerke im Sinne von gesellschaftlicher Resilienz aufbauen.

00:19:15: Wie arbeiten Sie denn beim Riffs konkret?

00:19:20: In meiner Forschungsgruppe arbeiten wir in einem interdisziplinären Team, das bedeutet... ...der kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen.

00:19:28: Wir haben allen unterschiedlichen Hintergrund.

00:19:31: Da arbeiten Sozialwissenschaftler zusammen mit Ingenieuren Und auch Geografen ergänzen wir uns gut in unsere Expertise.

00:19:41: Das ist insofern notwendig, indem wir nämlich zu systemischen Risiken forschen.

00:19:47: Bei Risikoforschung kommt zusammen zum einen die Frage welche Daten sind notwendig?

00:19:53: Was müssen wir wissen um dieses Phänomen zu verstehen, dieses Risikophenomen zu verstehen?

00:19:59: Zum anderen geht es aber auch darum wie kommen wir in die Entscheidungsfindungen?

00:20:03: also Wie wird konkret mit diesem Risiko umgegangen?

00:20:07: Das ist eine Managementfrage.

00:20:10: Es geht darum, zum einen zu verstehen und dann aber auch zu entscheiden.

00:20:15: In der Forschung, die wir betreiben am Riffs bringen wir beides zusammen – und zwar zum einen diese Analyse des Phänomenes, des Risikos.

00:20:26: Zudem arbeiten wir auch daran Prozesse der Entscheidungsfindung zu unterstützen, zum Beispiel durch partizipative Verfahren der Bürgerbeteiligung auch der Stakeholder-Beteiligungen um diese Risikomanagement Prozesse zu unterstützen.

00:20:42: Inwiefern hängt denn Resilienz und Risiko zusammen?

00:20:46: Risikor und Resilenz sind die zwei Seiten einer Medaille.

00:20:52: Risiko weitgefasst bedeutet das eine Situation besteht wo etwas auf dem Spiel steht dass uns Menschen etwas wert ist.

00:21:05: Resilienz bedeutet, dass wir unsere gesellschaftlichen Systeme so gestaltet haben das egal welches Risiko letztendlich eintritt wird damit umgehen können und zwar so dass die wichtigen Funktionalitäten dieser Gesellschaft also das was wir wertschätzen dass das aufrechter erhalten werden kann.

00:21:29: Was können wir denn als Gesellschaft und als Kollektiv jetzt daraus lernen?

00:21:32: Wie gehen wir mit systemischen Risiken um.

00:21:36: Unsere Forschung hat gezeigt, dass es nicht eine einzige Maßnahme gibt die uns gegen systemische Risiken absolut schützen könnte sondern es geht immer um Maßnahmenbündel verschiedene Aspekte die dann auch zum Beispiel gerade wenn es um Fragen wie Renaturierungsmaßnahmen geht Die mehrere positive Aspechte mit sich bringen.

00:21:59: Also Renaturierung hat natürlich den Auswirkungen, dass dann das Flussgewässer sich der Durchlaufgeschwindigkeit verlangsamt.

00:22:11: Dass auch mehr Überflutungsflächen zur Verfügung stehen aber ebenso hat auch den Co-benefit den extra Mehrwert, dass sich hier mehr Biodiversität ansiedeln kann.

00:22:23: und so geht es insgesamt darum Maßnahmen zu finden die einen größeren Mehrwert bringen, und zwar nicht nur auf einer Funktionsebene sondern auch auf mehreren.

00:22:33: Das hat dann auch den weiteren wiederum Mehrwert dass das dann auch die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöht.

00:22:41: denn es eins ist klar wir werden niemals unsere komplette Bevölkerung auf eine Seite bringen mit nur einer einzigen Maßnahme gegen systemische Risiken.

00:22:54: das kann's gar nicht geben.

00:22:56: Dafür ist die Komplexität viel zu hoch und die Schattierungen sind viel zu fein.

00:23:01: Was ich gerne versuchen würde, ist dass wir den Aspekt der Beteiligung hier noch reinbringen – und zwar der Betteiligung gerade eben für Risikofragen- und Risikomanagementfragen.

00:23:13: Welche Rolle hat Bürgerbeteiligung und Stakeholderbeteilligung?

00:23:18: Wie ich eingangs schon erwähnt hatte geht es da insbesondere darum nicht nur Akzeptanz zu schaffen Sondern es geht darum dann auch wirklich die Bedarfe, die Bedürfnisse und auch die Wertvorstellungen.

00:23:34: Die Vorstellung des guten Lebens von den Bürgerinnen und von den Interessengruppen in die Entscheidungsfindung mit einzuspeisen.

00:23:42: Das schafft einen größeren Rückhalt aber es schafft eben auch die gesellschaftliche Resilienz weil hier ein Mehrwert entsteht.

00:23:52: Ich denke, systemische Risiken fordern uns alle heraus und zeigen uns das staatlicher Schutz und private Eigenverantwortung Hand in Hand gehen müssen.

00:24:00: Vielen Dank Pierre Johanna Schweitzer für die Einblick in ihre Arbeit und das großartige Gespräch!

00:24:07: Und an euch da draußen – wie seht ihr das?

00:24:09: Habt Ihr zu Hause einen Notvorrat oder verlässt Ihr Euch voll und ganz auf das System?

00:24:13: Schreibt es uns in die Kommentare und vergesst nicht den Podcast zu abonnieren.

00:24:16: Bleibt resilient, sorgt vor und bis zum nächsten Mal bei Brandwisten.

00:24:26: Das war Brandwissen.

00:24:28: Junge Fragen an kluge Köpfe!

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.