#07 Fürchte dich nicht! Engel als Botschafter zwischen den Welten
Shownotes
In dieser besonderen Folge zur Adventszeit sprechen wir über Engel – nicht nur die aus Weihnachtsgeschichten, sondern die in Religion, Geschichte und persönlicher Erfahrung.
Minel befragt Prof. Dr. Johann Hafner, Professor für Religionswissenschaft mit Schwerpunkt Christentum, über die vielfältigen Engelbilder im Judentum, Islam und Christentum – von mächtigen Thronengeln mit Löwenköpfen bis zu zarten Schutzengeln auf Weihnachtskarten.
Wir erfahren, was Engel mit dem Wort „Fürchte dich nicht!“ verbinden, was Dschinn im Islam bedeuten, wie Menschen ihre eigenen Engelvorstellungen entwickeln – und warum Engel eine so faszinierende Rolle im Glaubensspektrum vieler Menschen spielen.
Ein Gespräch über Glauben, Hoffnung und die Macht von Bildern und Geschichten – ganz besonders in der Adventszeit.
Was ihr in dieser Folge erfahrt: • Warum Engel in den abrahamitischen Religionen so bedeutend sind • Wie sie sich von Genien, Dschinnen und anderen Geistern anderen Geistern unterscheiden • Was uns das „Fürchte dich nicht!“ in einer beängstigenden Welt sagen kann • Welche Engelarten es gibt – von Seraphim bis Schutzengel • Warum Engel eine Projektionsfläche für Hoffnung, Trost und Orientierung sind • Und: Welche Rolle ein kleiner Putto aus Bayern für Prof. Hafner persönlich spielt
Moderation: Minel
Mehr über Prof. Dr. Johann Hafner und seine Studien erfahrt ihr hier: https://www.uni-potsdam.de/de/js-rw/das-institut/profchristentum/prof-dr-johann-ev-hafner
Transkript anzeigen
00:00:07: Brandwissen, junge Fragen an kluge Köpfe, der Podcast, der die Neugier entfacht.
00:00:12: Von Pro Wissen Potsdam mit Forschenden aus Brandenburg.
00:00:16: Neugierig, direkt und mittendrin.
00:00:24: Herzlich willkommen zu unserem Podcast Brandwissen.
00:00:27: In Adventuren begegnen wir uns überall Engel.
00:00:30: Auf Karten, in Liedern und in Weihnachtsgeschichten.
00:00:32: Aber warum eigentlich?
00:00:34: Das frage ich heute Professor Dr.
00:00:36: Johann E. Hafner von dem Institut für jüdische Studien und Religionswissenschaften.
00:00:41: Schön, dass Sie da sind.
00:00:43: Danke für die Einladung, gerne.
00:00:45: Ich habe mal so eine Frage.
00:00:46: Darf ich jetzt Engel überall sehen?
00:00:48: Denken Sie, dass es Engel wirklich gibt, wenn es Sie jetzt so ein Kind fragen würde?
00:00:53: Das ist immer die erste Frage, ob es Engel gibt oder nicht.
00:00:55: Und in der Christentumsgeschichte war es immer für die Leute über Jahrtausende ganz klar, dass es Engel gibt.
00:01:04: Nur gibt es die anders wie diesen Stuhl oder diesen Tisch, die also feste Gegenstände sind, sondern sie sind sowas wie durchsichtige, unsichtbare und beschreibbare Wesen.
00:01:16: Also die Weise, wie es sie gibt, war immer anders gedacht als die Gegenstände, die klar existieren.
00:01:23: Darum hat man gesagt, die Engelwelt ist etwas Subtiles, so heißt es dann auf Lateinisch, das aus einer anderen Materie besteht, das vielleicht nur aus Gedanken besteht.
00:01:34: Und daher sind sie in einer anderen Weise zugegen, als du jetzt mit mir oder der Tisch oder sonst irgendeiner Gerät.
00:01:43: Sie haben ja jetzt persönlich das Christentum erwähnt.
00:01:46: Gibt es denn noch andere Religionen, in der Engel überhaupt eine Rolle spielen?
00:01:52: Vor allem in den Religionen, in denen es einen hohen einheitlichen Gott gibt, der hat dann als Mittlerwesen unter sich Engel.
00:02:01: Im Hinduismus gibt es auch Mittlerwesen, aber die werden dort nicht Engel bezeichnet, auch im Buddhismus nicht.
00:02:08: Obwohl sie oft dargestellt werden wie die europäischen Engel, nämlich als Kinder oder Menschen mit Flügeln.
00:02:15: Aber ganz wichtig sind Engel im Judentum.
00:02:18: im Islam und im Christentum.
00:02:20: Weil dort kommen sie häufig vor in den heiligen Schriften.
00:02:24: Die heiligen Schriften der Juden ist der Talmud und die Hebräische Bibel.
00:02:32: Bei den Christen ist es das alte und das neue Testament.
00:02:35: Auch dort kommen mehrfach Engel vor.
00:02:38: Und bei den Moslemen ist es die Koran und die Hadise, also die Worte des Propheten.
00:02:44: Und dort kommen zuhause Engel vor.
00:02:47: Sie haben auch erwähnt, dass die meisten Engel jetzt auch anders dargestellt werden, also auch über die Darstellung der Engel, dass die je nach Religion auch anders sein können.
00:02:58: Ja, da gibt es verschiedene Traditionen.
00:03:01: Also, der Anfang der Engels-Darstellung in den ältesten Texten, da ist er einfach fast unbeschrieben, was nur gesagt Da kommt der Bote, also Nachrichtenübermittler, der sieht dann aus wie ein Mensch, den kennt man gar nicht weg von einem normalen Menschen.
00:03:19: Das ist der Malak oder Angeluss, so hat man den genannt.
00:03:23: Dann gibt es eine andere Darstellung.
00:03:26: Das sind dann die Engel, die dann im Himmel vorgestellt werden, die den Gottesdronen umgeben.
00:03:31: Das findet man im Islam und im Judentum ganz stark, dass Gott auf dem Dronen sitzt oder in einem himmlischen Tempel oder in einem himmlischen Palast und der ist umgeben von so Wächterwesen.
00:03:42: Die sind aber ganz anders.
00:03:44: gezeichnet oder beschrieben in den heiligen Texten.
00:03:47: Also es gibt tatsächlich Unterschiede zwischen den Verstellungen.
00:03:50: Ja, riesige
00:03:50: Unterschiede.
00:03:51: Ihr würdet jetzt heute sagen, die im Himmel oben am Thron Gottes, die sehen aus wie Monster, die haben Löwenköpfe, Adlerköpfe, Menschen Gesicht, oft vier Gesichter, dann haben sie zwei.
00:04:04: paar Flügel oder vier paar Flügel.
00:04:06: Es gibt auch ein tausend flügeligen Engel, die dann beschrieben werden.
00:04:10: Also so Wesen, die man zusammensetzt aus allen anderen Machttieren und die werden dann Keruben genannt oder Serafen genannt oder Drohne genannt oder Herrschaften genannt, also denen gibt man verschiedene Namen.
00:04:23: Die sind aber unterschieden von dem, was wir im Weihnachtsmarkt finden.
00:04:26: Weihnachtsmarkt, man meistens den Braven fast ein bisschen kitschigen Engel im Nachthemd.
00:04:32: mit zwei Flügeln dran und dann schaut er aus wie ein junges Mädchen oder ein junger Bub oder wie ein Baby sogar.
00:04:38: Also es ist die ganz sanfte Form.
00:04:41: Die Anfangsform ist eine richtig krasse, monströse Form.
00:04:45: Woran liegt denn das eigentlich, dass die Darstellungen so unterschiedlich sind?
00:04:49: Also wenn ich jetzt vorbei laufe an einem Schaufenster und ich Weihnachtskarten sehe, der Adventszeit, dann sind da, wie Sie auch schon beschrieben haben, Mädchen in kleinen Kleidarten mit Rücken und Rüschen dran mit einer Hafe in der Hand, die mit zwei Flügel, die weiß sind, rumfliegen.
00:05:07: Woran liegt das denn?
00:05:08: Ja, weil wir den Leuten im Schaufenster, wenn wir natürlich Kunden anlocken, da werden wir sie nicht mit krassen Monsterbildern schockieren.
00:05:16: Da will man natürlich ein sanftes Geschäft, das irgendwie ganz süß und lieblich ist.
00:05:23: Und unser Weihnachtsfest ist ja auch ... ein süßes Fest des Jahresendes, wo die Familien zusammenkommen, wo es gut riecht, wo man sich wohlfühlen soll und nicht jetzt die Botschaft, dass armes Kind in einer Ecke in irgendeinem Stall unter Schreien geboren wird.
00:05:41: So könnte man es ja auch darstellen.
00:05:43: Aber wir sind hier in unserer Weihnachtskultur, vor allem in Europa, ist es sehr versüßlich, sagen wir es mal so.
00:05:49: Und deshalb sind auch die Englisch süßlich.
00:05:52: In der Weihnachtsgeschichte selber kommen zwei verschiedene Engeltypen vor.
00:05:55: Das eine ist der, der zu den Hörten spricht.
00:05:58: Das ist dieser erst genannte Angelus, der Engel des Herrn.
00:06:02: Und dann kommt noch ein Chor der Engel.
00:06:04: Du hast das eben gerade genannt, dass die mit dem Harfen dargestellt wird.
00:06:07: Und manchmal haben es auch Apossane oder Trompete oder sonst auch Violine und so.
00:06:12: Und die sind dann, das ist sogenannte Sebaot oder das Engel her oder Himmels her.
00:06:18: Das ist eine Darstellung, die hängt ein bisschen zusammen mit dem, dass Leute früher dachten, die Sterne, die am Oben am Himmel vorbeiziehen.
00:06:27: Heute wird man sagen, die Milchstraße, die sind von weiten, lauter.
00:06:31: Engels sternen Wesen, so vermischt ein bisschen.
00:06:35: Und die stehen alle unterm Befehl Gottes und die kreisen immer um die Erde herum und durch das kreisend machen sie eine große Harmonie aus, der so tief ist, dass wir sie nicht hören.
00:06:46: Das war die Vorstellung der Himmelsmusik.
00:06:48: Und ein bisschen ist es noch da, wenn du ein Engels siehst, der eine Trompete hatte, dass er so sagt, der späte Nachfahre von diesem Himmels her, das musiziert.
00:06:58: Also diese kindliche Reform oder dieses verschönern oder versüßlichen, also dass da natürlich jetzt nicht das so beschrieben wird, wer glaube ich auch ein bisschen zu lang für eine Weihnachtskarte, da das jetzt auch so zu beschreiben, oder hat uns auch vielleicht nicht so doll mit der Weihnachtszeit in Verbindung gebracht.
00:07:16: Wir haben jetzt ganz über die christliche Darstellung von Engeln gesprochen.
00:07:21: Wie sieht es denn in anderen Glaubensrichtungen aus?
00:07:23: Gibt es da unterschiedliche Darstellungen?
00:07:24: Hat das was mit der Religion zu tun?
00:07:27: Ja, das hat natürlich was mit der Religion zu tun und auch mit dem dem Land, in dem eine Religion ausgeübt wird, ob es der Nei Osten ist oder Afrika oder Indien oder Mitteleuropa.
00:07:38: Und für die Muslime, von denen wir ja vier oder fünf Millionen Mitbürger haben und die ihren Glauben oft sehr ernst nehmen und täglich beten, zu denen gehört das ins Glaubensbekenntnis, dass sie an Gott glauben, an die Auferstehung, an den Propheten und an Engel.
00:07:59: Bei den Christen stehen die Engel nicht im Credo, also im Glaubensbekenntnis, aber bei den Moslemen.
00:08:05: Das sozusagen zu den Glaubensnotwendigkeiten.
00:08:09: Und ein paar von den Engeln sind auch uns bekannt.
00:08:14: Einer heißt zum Beispiel Jibril.
00:08:16: Das ist der, der den Koran an Mohammed diktiert haben soll.
00:08:21: So ist die Legende von der Offenbarung oder der Harabsendung des Koran, dass Mohammed ihn auf arabisch gehört hat von diesem Wesen, Gibril, und er heißt bei uns Gabriel.
00:08:32: Man hört ein bisschen den
00:08:35: Zusammenhang
00:08:35: zwischen Gibril und Gabriel.
00:08:37: Und dann gibt es noch eine ganze Reihe von anderen Engeln, vor allem beim Tod spielen die Rolle, dass ein Muslim ganz überzeugt ist, wenn ich sterbe, werde ich am kurz danach sofort von zwei Engeln interviewed, von zwei Überleitungsengeln, ob ich den Glauben an den Propheten und an Gott wirklich habe oder ob der Brust mir angeklebt ist.
00:09:01: Also so ein kleines Kreuzverhör wird dann noch im Grabe stattfinden, bevor die Auferstehung stattfindet.
00:09:10: Und, und dann höre ich auch schon wieder auf, es gibt einen Bereich, der in der Volksframigkeit von Muslime ganz ausgebreitet ist, das sind die Cine.
00:09:20: Manche kennen das von Aladdin und die Wunderlampe, so die Cines und so.
00:09:26: Das sind Geister, die umgeben den Menschen wie unsichtbare Vogel oder Tierart.
00:09:33: Das sind aber keine Enkel.
00:09:35: Oft wird das verwechselt.
00:09:36: Die Cine sind eine andere Art von geistigen Wesen, die auch an Gott glauben können oder nicht.
00:09:42: Da gibt es gute und böse Cine.
00:09:43: Das ist sozusagen eine parallele Menschheit, bloß sind es keine Menschen.
00:09:48: Die sind aber klar zu unterscheiden von den Geistern.
00:09:50: Das wollte ich nur sagen, dass man die nicht immer doch einander bringt.
00:09:54: Ich bin ja ehrlich, wir reden hier gerade so über ein sehr ernstes Thema, aber mein Kopf ist noch daran hängen geblieben, wie zwei Engel da sitzen und den im Grab liegenden Menschen interviewen.
00:10:05: Das ist ein wichtiger Einschneider moment gerade gewesen in dem Gespräch für mich persönlich.
00:10:12: Ja, da werden wir alle mal hinkommen und schauen, ob die muslimischen Engel da sitzen oder christliche Engel oder vielleicht sind es dann doch dieselben.
00:10:18: Ja, oder ob überhaupt bei unserer Religion bleiben.
00:10:23: Wie sind das jetzt so, die viele Kinder haben da ja so kleine Figurchen in ihrem Zimmer zu stehen oder dann haushalten, so kleine Engelsfiguren?
00:10:31: Spielen die denn überhaupt noch eine religiöse Bedeutung, wenn die gefühlt jeder an der Weihnachtszeit bei sich zu stehen hat?
00:10:37: Also viele haben so eine Engelsfigur.
00:10:41: als Dekor oder als Schmuck, dass man sagt, ich hänge den um den Hals oder ich habe eine schöne Karte von jemandem gekriegt und die schaut schön aus, dann stelle ich es irgendwie auf den Tisch oder aufs Klavier oder ins Fenster.
00:10:55: Also das sind dann eher Engel, die man als Produkte, von einem Künstler oder aus einer anderen Epoche, das heißt nicht, dass jemand dann Engel glaubt, sondern dass er das einfach schön findet.
00:11:06: Es gibt ein paar... Prozent der Leute in Deutschland, die tatsächlich glauben, sie können mit Engeln direkt reden, dass sie direkt Kontakt aufnehmen und in einer Sitzung durch Meditation dann in ein Gespräch kommen mit ihrem persönlichen Schutzengel.
00:11:23: Das sind manche Menschen davon überzeugt.
00:11:26: Andere sagen, es gibt Engel, aber... Sie sind für meinen Glauben nicht wichtig.
00:11:32: Und die nächste Sagen ist überhaupt nicht wichtig.
00:11:34: Es ist nur bloß ein Dekor oder eine Schmuck-Variante für mein Zuhause.
00:11:39: Ja, also das gibt solche und solche Leute.
00:11:42: Ich habe ganz viele Leute auch schon getroffen, um ehrlich zu sein, die auch sagen, ich spüre meinen Schutzengel.
00:11:49: Und genau das wollte ich jetzt mal aufgreifen.
00:11:52: Wie sieht denn die Wissenschaft solche Erlebnisse?
00:11:55: Dass Leute sagen, ich glaube, da hält jemand die Hand über mich, da beschützt mich gerade ein Engel.
00:12:00: Das ist für Wissenschaftler schwer, das zu erforschen, weil man kann Erlebnisse und Visionen und Erfahrungen nicht.
00:12:07: Beobachten, die machen halt Leute.
00:12:09: Ich kann Leute fragen, hast du diese Überzeugung oder hast du diese Erfahrung mal gemacht?
00:12:13: Und dann sagen die in einem Interview oder in einer soziologischen Erhebung, ja, ich habe schon mal ein Engel gesehen.
00:12:20: Und dann muss ich als Wissenschaftler das dem natürlich glauben und nicht sagen, na ja, da hatte vielleicht einen über Durst getrunken oder hat eine psychose oder irgendeine Einbildung oder sonst was.
00:12:30: Also es gibt, das muss man ernst nehmen, Leute, die davon überzeugt sind, ihnen ist schon mal überirdisches Wesen.
00:12:36: begegnet und noch viel mehr sind überzeugt, dass es etwas mit ihren Toten zu tun hat.
00:12:41: Also, dass die Oma irgendwie in der Englisgestalt noch anwesend ist oder dass wir selber mal zu einem Engl werden.
00:12:48: Das ist eine häufige Vorstellung, dass wir also auch dann, wenn wir dieses Leben verlassen, In der angelischen, so ist es adjektiv, in Engelgleichen Form dann weiterleben werden.
00:12:59: Da sind sehr viele Leute in Deutschland überzeugt, das sind etwa vierzig Prozent, die vielleicht gar nicht an Gott glauben, aber dafür glauben, es gibt angelische Wesen oder Engelgleiche Wesen oder sie existieren mal weiter in dieser Engelgleichen Form.
00:13:17: Kann man sagen, das ist so eine eigene Glaubensrichtung, also ich sage dazu, Religion wäre übertrieben, aber ein eigenes Glaubensspektrum, wie so eine eigene Religion, wo man sagt, ich glaube an Gott, dass man sagt, ich glaube an Engel, kann man das vergleichen überhaupt?
00:13:32: Ja, es gibt Leute, die würden sagen, also Gott sagt mir nicht so viel und Christus oder Mohammed oder andere sehr klar greifbare Glaubensmotive.
00:13:42: und dafür eher in dieses eher weite, freire Feld der Engel reingreifen.
00:13:48: Das ist auch das Schöne sozusagen bei den Engelsvorstellungen, die sind nicht so stark festgelegt, wie jetzt die Gottesvorstellung.
00:13:56: Da gibt es ganz klare Dokumen, wie das Gott muss eins sein, er muss... Er muss gerecht sein, er ist der Schöpfer, er muss am Ende der Tage wiederkommen und so.
00:14:05: Bei den Engl ist alles noch wenig definiert und das war immer so in der Geschichte.
00:14:09: Engl waren immer auch ein bisschen ein Spielwiese der religiösen Fantasie und das macht es natürlich attraktiv, dass man ... sich auch seinen eigenen Engel basteln kann.
00:14:18: Das ist aber gleichzeitig auch ein bisschen die Gefahr, jeder bastelt sich seine Engelvorstellungen, sozusagen.
00:14:25: Das, was mir gefällt, das tu ich nochmal verdoppeln.
00:14:27: Dann ist es eigentlich nur eine Verlängerung dessen, was mir ohnehin wohltut.
00:14:32: Dann fehlt natürlich das, was zur Religion auch gehört, dass etwas ist, das mich leitet, das mich also lenkt von außen her und nicht nur, was meine Bedürfnisse verdoppelt.
00:14:42: Das heißt, die Gefahr dabei ist aber trotzdem, dass man das eigentlich aus den Augen verliert und so ein bisschen sagt, ich baue mir selber das, so wie es mir gefällt und sage dann aber, ja, das war der Engel, der mich geleitet hat.
00:14:54: Also, die soll es nicht abwägen können.
00:14:56: Was heißt jetzt?
00:14:57: tatsächlich Bedürfnis des Menschen.
00:15:00: Was heißt der Engel, der zu mir spricht?
00:15:02: Genau.
00:15:04: Je privater Engel vorgestellt wird, desto stärker besteht die Gefahr.
00:15:09: Es ist einfach Verdobbelung meiner Wünsche.
00:15:12: Und das will man ja auch als religiöser Mensch nicht.
00:15:15: Ich will ja, dass ich auch Weisung bekomme.
00:15:17: Und die Engel im Koran, in der Bibel und im alten und neuen Testament, die haben ja klare Weisungen.
00:15:23: Meistens ist die Weisung fürchte dich nicht.
00:15:27: Immer wenn ein Engel-Aufteil taucht in diesen Geschichten, dann schreien die zunächst Hilfe.
00:15:32: Da kommt irgendein Gespenst oder Geist oder was.
00:15:35: Natürlich ist ein Mensch dann überrascht.
00:15:37: Und die erste Weisung ist immer, mehr Fobu auf Griechisch oder fürchte dich nicht.
00:15:43: Und das finde ich eine sehr wichtige Botschaft.
00:15:44: Heute die Leute in einer Tour jammern, was alles schlimmer wird und Kriminalität und Migration und Klima und Trump.
00:15:54: Man hört ja fast nur Klagen über den Zustand der Welt.
00:15:58: Und manche sagen, ich kann nicht mal mehr ein Fancier anmachen, weil ich Angst kriege vor diesen ganzen Nachrichten, die immer negativer werden.
00:16:07: Und dort eine Botschaft zu hören, dass jemand sagt, du brauchst dich nicht fürchten.
00:16:12: Es gibt eine zweite Welt, in der ist es ganz anders.
00:16:15: Und in die werden wir alle irgendwann mal münden.
00:16:19: Das ist eine wichtige Botschaft, die die Engel dann auch heute sagen könnten.
00:16:23: Genau.
00:16:23: Da haben Sie jetzt mal direkt meine nächste Frage mitbeantwortet, was Enge denn jetzt in unsere Welt tragen können.
00:16:31: Das heißt auch Verbesserung, auch das wenn man denkt, oh, die Welt ist gerade für mich unglaublich wirr und gruselig und oh, mir gefällt das alles nicht.
00:16:43: Da können Sie auch uns einen Lichtblick quasi geben auf etwas, das vielleicht das auch etwas nachher gut.
00:16:50: werden kann, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe?
00:16:52: Ja, die Vorstellung, dass es eine andere Welt gibt, in der Engelwesen oder geistige Wesen leben, die jenseits unserer Raumzeit existiert.
00:17:04: Also überhaupt die Vorstellung einer zweiten Welt, in der auch intelligente Wesen leben, das ist die alte Vorstellung der Engelwelt, die hilft uns auch zu akzeptieren, vielleicht ist unsere Welt gar nicht die einzige.
00:17:18: Vielleicht gibt es mehrere Welten später oder gleichzeitig in anderen Dimensionen.
00:17:23: Und wir müssen uns gar nicht mehr so wichtig nehmen, als ob es immer auf uns ankommt, als ob alles, was ich jetzt mache, total wichtig sei.
00:17:32: Also, dass wir uns selbst und unsere Welt nicht so wahnsinnig ernst nehmen müssen, ist Leistung, finde ich, oder Resultat der Vorstellung, ach... Vielleicht ist diese Welt gar nicht die beste, aber es gibt eine sehr viel hellere, lichtere, angenehmere Welt, in der es gerecht zugeht, in der niemand leidet, in der Leute einander verstehen.
00:17:57: Engel waren immer, sondern das Mittel des direkten Verstehens, ohne sich anzulügen, ohne sich was vorzumachen, weil Engel direkt sprechen und nicht etwas vorgeben zu sein.
00:18:09: Und das... ist, meines Erachtens, das schöner Entlasten.
00:18:12: der Gedanke, zu sagen, okay, diese Welt ist nicht perfekt, aber ich weiß, es gibt irgendwo eine Welt, in der ist es gut.
00:18:21: Ja, ich glaube, das kann auch sehr beruhigend sein für viele Menschen, die auch gerade einfach aufgewöhnt sind, dass sie auch mal sagen können, okay, in einer Welt kann es gut sein.
00:18:30: und auch einmal durchatmen können.
00:18:32: Genau.
00:18:33: Jetzt mal so eine persönlichere Frage.
00:18:35: Was fasziniert Sie persönlich denn überhaupt an Engeln?
00:18:39: Sie haben ganz viele Aspekte schon genannt, die es an Engeln gibt oder die Sie ausmachen.
00:18:44: Gibt es denn einen persönlichen Aspekt, der Sie, wie Sie jetzt beispielsweise sagen, dass viele Menschen dann hoffnungsvoll sind?
00:18:52: Haben Sie da auch einen gewissen Aspekt, der Sie irgendwie glücklich macht oder froh macht?
00:18:58: Als wissenschaftlich gesprochen, ich bin ja Professor für Religionswissenschaft, ist es für mich faszinierend zu sehen, dass Engel in so vielen Formen, in so vielen Religionen vorkommen und die Religionen diese Vorstellung einander ausleihen und sie dann verändern.
00:19:15: Zum Beispiel gibt es die Engel in der griechisch-römischen Religion, das war Victoria hieß die oder die Nikke, das war so eine Siegesgöttin oder Hermes, der auch so Hin und Her fliegt zwischen den Göttern und den Menschen.
00:19:30: Und diese Vorstellung wird dann von den Christen übernommen.
00:19:33: Und von den Christen übernehmen es dann die Muslime wieder.
00:19:36: Also es ist so ein Wandermotiv, das uns alle ein bisschen verbindet.
00:19:41: Das ist das eine, was mir an diesem Engelsmotiv und an dieser Vorstellung von Engeln sehr gut gefällt und das ich gerne erforsche auch in den verschiedenen Texten und in den verschiedenen Jahrhunderten.
00:19:54: Und persönlich Ist für mich, kann ich sagen, meine erste religiöse Anschaffung war, ich habe da auch so einen kleinen Engel mitgebracht.
00:20:07: Das Mitbringsel.
00:20:08: Das Mitbringsel.
00:20:08: Das Mitbringsel.
00:20:12: Als ich fünf Jahre alt war, habe ich in einem Dorf in Bayern gelebt und da gab es einen Kirchenmalern-Restaurator, der Herr Probst ist.
00:20:19: Das war der Vater von meinem besten Freund.
00:20:22: Die haben nicht viel Geld verdient, weil anscheinend hat der Kirchenmaler nicht sonderlich verdient.
00:20:27: Und ich habe dem seine kleinen Putos heißen die, das sind so Babyköpfe, das ist ja hier mit zwei kleinen goldenen Flügeln dran und ich habe die immer so bewundert, weil die sind dann in die Kirche dann irgendwo reingeklebt worden, die dann wie Tauben dann sozusagen in den Gewölben dann sich da tummeln.
00:20:46: Und dann habe ich ihn mal gefragt, ob ich die eigentlich kaufen kann.
00:20:50: Und da war ich fünf Jahre, da war ich noch lang nicht in der Schule, aber das ist eine meiner ersten Erinnerungen.
00:20:55: Und dann sagt er, ja, dann sage ich ja, was kostet das?
00:20:58: Sagt er, neunzig Pfennig.
00:21:00: Und dann bin ich nach Hause und hab dann, damals gab es eben noch Pfennig, und hab dann also meine Mutter gefragt, ob ich einen Markt haben kann, dass ich, dass der mir dann rausgeben kann.
00:21:09: Und hab dann für neunzig Pfennig diesen Puto gekauft.
00:21:13: Und das ist mein Lebensbegleiter worden.
00:21:14: Der hängt jetzt sogar in meinem Büro.
00:21:16: Kann man auch sagen, das ist ihr persönlicher Schutzengel?
00:21:19: Ja,
00:21:19: ja.
00:21:20: Oder ist das eher so eine Herzensache, dass sie einfach sagen, ich freue mich jetzt, dass ich den habe?
00:21:25: Das ist mein biografischer Begleiter.
00:21:26: Ja, das ist mein Schutzengel.
00:21:28: Der guckt immer von der Wand.
00:21:31: Mein Büro ist im neuen Palet.
00:21:32: Da guckt er immer auf mein Schreibtisch.
00:21:33: Und das ist, wie soll ich sagen, die Linie, die sich durch mein Leben zieht, den muss ich nicht so ganz ernst nehmen, weil das auch ein kleiner Lausbub ist, der dort hängt.
00:21:44: Und wir haben also so ein ironisches Verhältnis zueinander und trotzdem ist es mein Kontakt zu einer anderen höheren Welt.
00:21:53: Für alle Hörerinnen und Hörer und alle außerhalb und dazwischen, die das jetzt mal nicht vor sich haben.
00:21:58: Man kann sich das so vorstellen, es ist so ein kleines Engelsköpfchen mit braunen Haaren und goldenen Flügen ganz anders dargestellt als wie das beispielsweise heute auch so sehen.
00:22:10: Mein noch eine Frage, das ist mir noch mal aufgefallen bei unserem Gespräch.
00:22:13: Sie haben so einen interessanten Akzent.
00:22:15: Können Sie mir mal verraten, woher der kommt?
00:22:18: Ja, ich habe mir schon viel Mühe gegeben, den zu verbergen, aber jetzt habe ich es aufgegeben.
00:22:22: Ich komme jetzt zwischen Mütchen und Augsburg.
00:22:24: Das ist bayerisch Schwaben und ... Da spricht man richtig breiten Akzent.
00:22:29: Also das, was ich jetzt hier spreche, ist ja schon...
00:22:31: Ich gehe in Plattdütsch von meiner Mutter.
00:22:33: Also das ist kein Problem.
00:22:33: Natürlich.
00:22:34: Und zu Hause, wenn ich dann länger telefoniere, dann klinge ich ganz anders.
00:22:38: Bei uns sagt man nicht eins, zwei, drei, so, eins, zwei, drei.
00:22:42: Also das ist sehr breit und aber ist ein gemütlicher Gegend.
00:22:46: Ich glaube, das macht sich schön zum Sprechen.
00:22:48: Ich finde, es kann auch manchmal entspannter sein, wenn man da auch so ein bisschen lockerer reden kann.
00:22:53: So, ich persönlich, meine Mutter ist Aussie, also kommt aus dem Osten, ist eigentlich ganz witzig, wenn man sich unterhält oder so und mal bei der Verwandtschaft dann ist und dann merkt man auch gleich so einen Unterschied, sagt man uns, zwei, drei oder so oder... Und es ist
00:23:12: gut, wenn man zwei Sprache bleibt, wenn man Hochdatsch kann und den eigenen Dialekt.
00:23:16: Das finde ich gut.
00:23:16: Dann können wir auch wechseln.
00:23:18: Hiermit würde ich auch unser schönes Gespräch beenden über die schöne Weihnachtszeit.
00:23:23: Alle dazwischen außerhalb wünsche ich eine tolle Adventszeit und mit ein bisschen Engelszauber hoffentlich auch, wie wir ihn gerade erleben durften.
00:23:32: Vielen Dank für das spannende Gespräch und eine wunderbare Adventszeit Ihnen auch noch.
00:23:37: Danke dir auch, danke für die Einladung.
00:23:39: Es war nett mit dir.
00:23:47: Das war Brandwissen.
00:23:48: Junge Fragen an kluge Köpfe.
00:23:51: Der Podcast der Eure Neugierentfacht produziert von Pro-Wissen-Potsdam in Zusammenarbeit mit seinen Mitgliedern, den wissenschaftlichen Instituten, Universitäten und Hochschulen.
00:24:01: Abonniert uns, empfehlt uns weiter und bleibt neugierig.
Neuer Kommentar